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DER PRIVATE BLICK AUF DIE MAUER
Eine einzigartige Zeitreise über ein
Ereignis, das die Welt zerriss
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Pressespiegel



copyright: EinfallsReichFilm

Super-8 an der Grenze und darüber hinaus: Titelbild aus „Bis an die Grenze“

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Dem Mauermaurer auf die Kelle geschaut (Still aus „Bis an die Grenze“)

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Der private Blick der Schmalfilmer auf ein geschichtliches Ereignis (Still aus „Bis an die Grenze“)

8mm-Geschichtsbilder aus einer eingemauerten Stadt

infomedia-/infomedia-sh Oktober 2011 in der Rubrik 'abgedreht - aktuelle Produktionen'

Der optimistisch ankündigende Tenor zu Beginn von Christopher Evans Ironsides Filmmusik könnte suggerieren, dass die Menschen in Deutschland nach dem 8. Mai 1945 auf eine Zukunft hoffen konnten, in der noch alles möglich wäre. Und das Filmbild zeigt zwar Wachsoldaten, aber das Brandenburger Tor ist noch offen, und spärlicher Verkehr fließt zaghaft hindurch. Dass sich die Hoffnung bekanntlich für die damalige so genannte „sowjetisch besetzte Zone“ und Berlin so nicht einlöste, wird auch schon im Prolog von Claus Oppermanns und Gerald Grotes Film „Bis an die Grenze“ deutlich. Schnell schwillt die Musik zur Spannung an, und man sieht Gräben, Vopos und Stacheldraht, Panzerspähwagen, mit Lastwagen herangeschafftes Wachpersonal, Karabiner geschultert, Panzer, erschrockene Menschen die nach „drüben“ winken. Mit der Berliner Mauer riegelt sich die DDR endgültig nach Westen ab. Schon dieser flott geschnittene Anfang (Schnitt: Claus Oppermann) macht das in aller Eindringlichkeit deutlich – und zwar aus privat in Berlin gefilmter Perspektive. Berlin wird zum Brennpunkt der Politik des Kalten Krieges und rückt in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Auch daran erinnert schon der Anfang des Films mit dramatischen Amateuraufnahmen, kongenial von einer emotionalen Filmmusik begleitet. Und: Die Mauer wird Bestandteil des Berliner Alltags und bleibt gleichzeitig Mahnung zur Freiheit. Auch das wird in der Einleitung mit wenigen 8-mm-Aufnahmen schon treffend angedeutet.

Was in dem 95-minütigen Dokumentarfilm folgt, sind 45 Jahre des privaten Blicks auf den Ost-West-Konflikt vor allem in Berlin, auf das Leben mit Teilung, Mauer, mit Flucht und Tod und vielen anderen Nöten, mit Propagandakrieg und Grenzausbau, mit Annäherung durch kleine Schritte (z.B. dem Passierscheinabkommen) und schließlich mit dem Wunder der friedlichen Wiedervereinigung. Das alles und mehr schöpfen Grote und Oppermann aus den „geheimen Archiven“ der Amateurfilmer, die erstaunlich professionell immer dann zur Stelle waren, wenn es etwas Interessantes auf 8-mm-Film zu bannen gab, aber auch, wenn es galt, den Alltag festzuhalten. Gerald Grotes Kommentar (Sprecher: Wolf Frass) fügt das verarbeitete Filmmaterial sinnreich und sympathisch in eine geraffte historische Einordnung und Gesamtschau ein, ist an wenigen Stellen etwas zu wortspielverliebt, wenn auch nicht ungekonnt („Am Anfang war das Ende, ein Ende mit dem zunächst niemand etwas anfangen konnte. Man nahm etwas in Angriff, was noch vor kurzem durch Angriff zerstört worden war.“), aber immer voller Zuneigung für den und Neugierde am Stoff.

Das zahlt sich für den Film aus, wie auch die schon bei „Schnee von gestern“ erfolgreich angewandte Methode, die Schmalfilmer in Ton und Bild selber erzählen zu lassen, unter welchen Umständen sie das nun im Film oft erstmals öffentlich Gezeigte in ihre Kameras bekommen haben, aber so auch die „Geschichte von unten“ zu beleuchten. Diese private, persönliche Färbung von erlebter Geschichte öffnet nicht nur neue Blickwinkel, sondern evoziert beim Zuschauer persönliche Betroffenheit, weil private Schicksale selten unberührt lassen. Geschickt weiß der Film auch Emotionen durch das gesamte Musikkonzept zu fördern und damit den Zuschauer für sich zu gewinnen. Da ist nicht nur die mit allen dramatischen und (Pogrammmusik-) Techniken vertraute und spielende Filmmusik von Ironside und Michael Stöckemann, die dem Material an bestimmten Stellen eine noch tiefere Wirkung verleiht, die von den Filmemachern gottlob aber auf die gesamten Filmlänge betrachtet nur relativ sparsam an bestimmten Schlüsselstellen eingesetzt wird, das Material also nicht zukleistert, wie man es bei anderem Filmen immer öfter leidend erleben muss. Auch die drei von den Filmemachern schon (im Ton) vorgefundenen Lieder, die im Film bestimmte Ereignisse und „historische“ Stimmungen bzw. soziale Verfassungen beleuchten und durch ihren musikalischen und liedtextlichen Kommentar evident einfangen, fügen sich bemerkenswert ins Ganze.

Schmalfilmaufnahmen vom Ostberliner Fernsehturm wie heruntergeschaut vom Westberliner Funkturm oder von den Weltfestspielen der Jugend in Ostberlin werden dazu einfallsreich montiert und geben auch eine Ahnung vom damaligen Zeitgefühl. Da intoniert ein Berliner Kinderchor einen zuckersüß niedlichen Jubelgesang auf den 1969 neuen Berliner Fernsehturm, rührt Elternherz zu Tränen und soll wohl doch auch zur propagandistischen Indienstnahme behilflich sein, genauso wie der bekannte Song der DDR-Band Oktoberclub „Sag mir, wo du stehst“, der nach Art eines Protestsongs der 1960er Jahre aber demagogisch geschickt verbrämt das Engagement der Jugendlichen einfangen soll. Die FDJ lässt nicht nur grüßen und sondern winkt mehr als heftig mit dem Zaunpfahl. Kurz vorm Finale schließlich wird der (Polit-) Popsong „Berlin, Berlin“ (,dein Herz kennt keine Mauern...", von John F. und den Gropiuslerchen, 1987) als Filmmusik benutzt und untermalt wirkungsvoll, dass der Lebenswille der Spreestadt auf Dauer noch von keiner wie auch immer scheinbar mächtigen Ideologie zu brechen ist. Rückblickend lässt sich sagen: Die Zeit war einfach reif. Ein Song, wie geschaffen für die Stadtwerbung, für den die Filmemacher gekonnt und verspielt entsprechende Bilder montiert haben. Oder man kann es auch andersherum sehen: Das Stück untermalt treffend Berliner Geschichtsbilder.

„Bis an die Grenze“ ist sehenswert, weil der Film interessant ist, es in ihm viel zu erinnern und zu entdecken gibt, weil er nicht selten an- oder berührt, sogar spannend ist und weil er bisher scheinbar längst Bekanntem neue, lohnende Facetten abzugewinnen weiß. Erstaunlich, was man aus 8mm-Film alles machen kann. Die Amateurfilmer werden sich freuen, wie ihr Material so noch zu gebührenden Ehren kommt. (Helmut Schulzeck)

„Bis an die Grenze“, Deutschland 2011, 95 Min., schwarz-weiß und Farbe. Buch (Konzeption) und Realisation: Claus Oppermann und Gerald Grote, Kamera (Interviews) und Schnitt: Claus Oppermann, Text und Recherche: Gerald Grote, Sprecher: Wolf Frass, Filmmusik: Christopher Evans Ironside und Michael Stöckemann. Der Film wurde gefördert von der Filmwerkstatt Kiel der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein.

Der Film hat seine Kiel-Premiere am Montag, 3. Oktober 2011, 19 Uhr im Kommunalen Kino Kiel, im großen Kinosaal (weitere Vorführungen: Monntag, 3. Oktober 2011, 17 Uhr im großen Kinosaal; Dienstag, 18. November 2011, 18.30 Uhr).



Mit freundlicher Genehmigung: infomedia-/infomedia-sh

Text: n.n./Foto: EinfallsReichFilm vom 04.10.2011


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